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TJA
Posted: February 24, 2011 04:56 pm
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Datenschutz Was Vorratsdaten ĂĽber uns verraten

Der Chaos Computer Club nennt Handys "Ortungswanzen". Zu Recht, wie unsere interaktive Grafik zeigt: Die Vorratsdaten des GrĂĽnenpolitikers Malte Spitz enthĂĽllen sein Leben.

    * Von: Kai Biermann
    * Datum: 24.2.2011 - 12:18 Uhr

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Bewegungsprofil von Malte Spitz, basierend auf den Vorratsdaten seines Handys

Bewegungsprofil von Malte Spitz, basierend auf den Vorratsdaten seines Handys

"Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard, Flensburg und das BKA, haben unsere Daten da", sangen Kraftwerk 1981 in Computerwelt. Es klang damals unglaublich, später bedrohlich, und heute klingt es lächerlich. Denn die Wirklichkeit ist viel banaler. Unsere Telefone sind es, die am meisten über unsere Gewohnheiten verraten. Der Chaos Computer Club nannte die kleinen, mächtigen Computer in unseren Taschen deswegen auch schon "Ortungswanzen".

In einem Gutachten für das Bundesverfassungsgericht hat der Verein im Juni 2009 theoretisch beschrieben, welche Informationen bei der sogenannten Vorratsdatenspeicherung übermittelt werden und was sich daraus alles ablesen lässt. Das Verfassungsgericht hat die damalige Regelung inzwischen gestoppt, aufgegeben aber wurde die Idee von Ermittlern und Politik keineswegs. Zu interessant sind die Möglichkeiten, aus diesen auf den ersten Blick harmlos wirkenden Daten Erkenntnisse zu gewinnen. In den kommenden Wochen will die Bundesregierung über eine neue Regelung entscheiden.

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Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Karte zu gelangen

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Was genau sich aus den Daten erfahren lässt, das konnten die meisten Menschen bis heute nur in der Theorie sehen, praktische Beispiele gab es nicht. Der Grünenpolitiker Malte Spitz hat sich daher entschlossen, seine Vorratsdaten aus dem Zeitraum August 2009 bis Februar 2010 zu veröffentlichen. Um sie zu überhaupt bekommen, musste er gegen die Telekom klagen.

Die Daten, die ZEIT ONLINE hier zum Download zur Verfügung stellt und die Basis der hier gezeigten interaktiven Karte sind, entstammen einem Exceldokument mit 35.831 Zeilen. Mehr als 35.000 Mal also hat sein Mobiltelefon in diesem halben Jahr Informationen Preis gegeben. Jede einzelne davon ist im Zweifel unbedeutend und harmlos, in der Summe aber ergeben sie das, was Ermittler ein Profil nennen – ein klares Bild über Gewohnheiten und Vorlieben, ja über das gesamte Leben.

Das Profil enthüllt, wann Malte Spitz durch Straßen läuft, wann er Bahn fährt, wann er fliegt. Es zeigt, in welchen Städten und an welchen Orten er sich aufhält. Es zeigt, zu welchen Zeiten er arbeitet und zu welchen er schläft, wann man ihn am besten erreichen kann und wann eher nicht. Es zeigt, wann er lieber telefoniert und wann er lieber eine SMS verschickt und es zeigt, in welchem Biergarten er gerne sitzt. Es zeigt ein Leben.

Vorratsdatenspecherung

    Wer mit wem, wann, wie lange, von wo aus und womit – das ungefähr sind die Informationen, die anhand der Vorratsdatenspeicherung erfasst werden.

    Das Gesetz, das das Bundesverfassungsgericht am 2. März 2010 fĂĽr verfassungswidrig erklärte, ist seit 2008 in Kraft. Es verpflichtet alle Anbieter von Telekommunikation, die mehr als 10.000 Kunden haben, die sogenannten Verbindungsdaten fĂĽr sechs Monate zu speichern.

    Dies bedeutet: Die gesamte Kommunikation und auch alle Kommunikationsversuche via Telefon, SMS, E-Mail oder Internet werden erfasst und sind ein halbes Jahr rĂĽckwirkend noch nachvollziehbar. Nicht ihr Inhalt, aber sämtliche Metadaten, die ĂĽber Art und Umfang des Kontaktes etwas aussagen.
Das Ende der Unschuldsvermutung

    Diese Daten sollen, so die Idee des Gesetzgebers, Strafverfolgern zur VerfĂĽgung stehen und ihnen vor allem bei der Suche nach Terroristen helfen. Allerdings lassen Schätzungen der Kommunikationsanbieter den Schluss zu, dass sie vor allem dazu dienen, leichtere Vergehen wie illegales Datentauschen, Betrug oder Beleidigungen zu verfolgen.

    Unabhängig davon ist der Hauptkritikpunkt, dass mit der Vorratsdatenspeicherung jeder BĂĽrger potenziell verdächtig ist und ĂĽberwacht wird und dass sie so dazu beitragen, die Unschuldsvermutung abzuschaffen.

    AuĂźerdem gibt es Studien, die zeigen, dass sich anhand von solchen Verbindungsdaten detaillierte Aussagen ĂĽber das Verhalten der Beobachteten machen lassen und dass die Daten mindestens genauso aufschlussreich sind, wie ein Abhören der Inhalte der Kommunikation.

Um zu verdeutlichen, wie genau sich ein Leben abbilden lässt, hat ZEIT ONLINE die Vorratsdaten mit öffentlichen und für jeden problemlos verfügbaren Datensätzen "angereichert": Zu den Bewegungen von Malte Spitz werden seine Tweets und Blogeinträge angezeigt, die er in dieser Zeit geschrieben hat. Ein Verfahren, dass im Zweifel auch Ermittler nutzen würden, um ein Beobachtungsobjekt "aufzuklären".

Um zu belegen, wie genau die Angaben seines Telefons sind, sind auch seinen Termine sichtbar, wie sie auf der Website der Grünen veröffentlicht wurden. Die Orte, die sich im Muster der Funkzellen zeigen, finden sich dort sämtlich wieder.

Ermittler würden noch sehr viel mehr erfahren, als aus unserer Karte zu erkennen ist – denn einen Teil des Datensatzes veröffentlichen wir nicht: Wen Malte Spitz angerufen hat und wer ihn anrief, die Nummern seiner Kontakte also, sind nicht darin enthalten. Diese Informationen würde nicht nur die Privatsphäre sehr vieler Menschen verletzen, sie würden auch – selbst wenn wir die Nummern verschlüsselt hätten – viel zu viel über Malte Spitz verraten.

Denn nicht nur ein Bewegungsprofil lässt sich aus Vorratsdaten erstellen, sondern auch eines der menschlichen Beziehungen. Vorratsdaten zeigen, wer Freund ist und wer Familie, sie bringen geheime Liebschaften ebenso ans Licht wie verborgene Netzwerke.
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Schlagworte
Internet | Datenschutz | Vorratsdatenspeicherung | Geodaten

Malte Spitz ist Politiker und als Mitglied des Bundesvorstandes der Grünen viel unterwegs. In diesem Punkt ist er sicher kein Durchschnittsbürger. Die Tatsache aber, dass er sein Mobiltelefon häufig nutzt, dass er damit nicht nur telefoniert, sondern SMS verschickt und im Internet surft, ist heute für viele selbstverständlich.

Alle zehn Minuten hat sich sein Gerät bei einer Funkzelle gemeldet – das ist der von Malte Spitz eingestellte Zeitraum, in dem es nach neuen E-Mails sucht. Eine Funktion, die viele Besitzer von Smartphones aktiviert haben. Es ist das Intervall, in dem das Gerät ein halbes Jahr lang Daten gesendet und abgerufen hat. Ausgeschaltet war es selten. Die Bewegungen von Malte Spitz sind insgesamt zu 78 Prozent erfasst worden.

Sechs Monate – so lange sollen nach dem Willen deutscher Politiker Vorratsdaten gespeichert werden. Sechs Monate – das ist auch der Zeitraum, den uns Spitz zur Verfügung gestellt hat. Er genügt völlig, um zu erkennen, dass keine Geheimnisse mehr bleiben. Solange das Telefon angeschaltet ist, enthüllt es das Verhalten seines Besitzers. Und selbst wenn es auch immer wieder mal nicht an ist, können die Informationen ausreichen, um ein klares Profil zu erzeugen. "Flensburg und das BKA"? Heute müsste es wohl heißen: Telekom und BKA, haben unsere Daten da.

    * Quelle: ZEIT ONLINE
    * Adresse: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/201...ten-malte-spitz

Lesen Sie hier mehr aus dem Ressort Datenschutz.
Ăśbersicht zu diesem Artikel:

  1. Seite 1 Was Vorratsdaten ĂĽber uns verraten
  2. Seite 2 Keine Kontaktdaten


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Habs auch gerade bei heise gelesen. Aber mal ehrlich ... das man Bewegungsdaten ableiten kann war doch schon bekannt. Nichts neues ... viele gehen sowieso mit ihren persönlichen Daten zu sorglos um. Meistens sind solche "Vorratsdaten" nicht mal notwendig. Zu mindest für diese SocialWeb People ...


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TJA
Posted: February 24, 2011 08:08 pm
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Interessant sind die Karten, die man ableiten kann - verdeutlicht das Problem ein wenig.



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CroniD
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Wo ist das ein Problem? Das ist doch genau das was sie damit erreichen wollten. wink.gif
Da steckt nun auch kein Verschwörungsding dahinter. Eine Tracing Fähigkeit sollten die Daten hergeben. War eine der Anforderungen. Ich muss mal schaun ob ich noch das Anforderungsblatt irgendwo finden kann von damals.


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