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> Software is Politik!
TJA
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09. M├Ąrz 2011, 12:59 Uhr
S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine
Das dunkle Reich des Steve Jobs

Programme sind Politik, Software ist Macht: Entscheidungen der gro├čen IT-Unternehmen beeinflussen unser aller Leben, daher m├╝ssen sie als politische Akte begriffen werden, findet Sascha Lobo. Und denkt dabei an das digitale Reich von Steve Jobs - eine Art DDR der Technologie.

Einer der st├Ąrksten Schlachtrufe der 68er, "Das Private ist politisch", entwickelte sich von der Frauenbewegung ausgehend: Eine private Handlung habe eine politische Aussage und Wirkung. Bald stand der Slogan auch f├╝r die Kontrolle ├╝ber die Entfaltung der eigenen Pers├Ânlichkeit - f├╝r Freiheit also. Gegenw├Ąrtig tobt ein nicht immer sichtbarer Kampf um Produkte und Plattformen in der digitalen Sph├Ąre, auch hier geht es um Kontrolle und damit um Freiheit. Das Problem ist, dass wesentliche Teilnehmer dieses Kampfes glauben, sie bef├Ąnden sich in einer normalen Marktkonkurrenz. In Wahrheit ist die Herstellung von Technologie, vor allem von Software, l├Ąngst gesellschaftsdefinierend und damit ein politischer Akt. Schon 1991 ├╝berschrieb der Journalist Norbert Mappes-Niediek einen Artikel in der "Zeit" mit "Software ist Macht". Das Netz hat diese Macht noch potenziert. "Code is Law" schrieb der Harvard-Professor Lawrence Lessig schon im Jahr 2000. "Das Programmierte ist politisch", so muss der Schlachtruf heute lauten.

Der gro├če Unterschied zwischen analoger und digitaler Gesellschaft ist, dass die digitale auf privat organisierten Servern stattfindet. Der Slogan ist deshalb als Aufforderung an die Unternehmen zu verstehen, die die digitale Gesellschaft ├╝berhaupt erst erm├Âglichen. Viele davon haben eben noch Dr├Ąhte verl├Âtet und finden sich jetzt schon mit politischen Entscheidungen von gro├čer Tragweite konfrontiert, wie in ├ägypten, Tunesien, China. Sie gestalten die digitale Gesellschaft mit der geb├╝ndelten Macht ihrer K├Ąufer und Nutzer. Dagegen ist nichts zu sagen, Unternehmen sind nicht grunds├Ątzlich b├Âse, auch nicht gro├če. Im Gegenteil: Das Internet selbst ist der beste Beweis, dass der Kapitalismus gut f├╝r den Fortschritt der Gesellschaft sein kann. Das Problem beginnt, wenn Unternehmen ihre Verantwortung gegen├╝ber der digitalen Gesellschaft ignorieren - auch gegen├╝ber anderen Teilnehmern des Marktes. Derzeit wird dieses Problem kaum deutlicher sichtbar als beim wertvollsten Technologiekonzern der Welt, Apple.

Von Beginn an konnte man Apple durchaus als politisches, weil gesellschaftsver├Ąnderndes Unternehmen verstehen. Der legend├Ąre Werbespot "1984", der auf das gleichnamige Buch von George Orwell anspielt, ist ein Zeichen daf├╝r. Auch ein Zitat des Gr├╝nders Steve Jobs von 1994 offenbart gesellschaftspolitische Untert├Âne: "Ungl├╝cklicherweise rebellieren die Leute nicht gegen Microsoft" - das war die Klage des beleidigten Rebellenf├╝hrers.

Heute ist dieser Anf├╝hrer der selbsternannten Technologierebellen die m├Ąchtigste Person der digitalen Gesellschaft, pr├Ągend oder marktbeherrschend in Design und Gestaltung, Film, Musik, Verlagslandschaft, Mobilfunk, Software, Hardware und anderem mehr. Und wie bei politischen Rebellen, die vor ihrem Putsch an die Macht noch selten mit Heilsversprechen gespart haben, erweist sich die fr├╝here Tendenz zur Offenheit bei Apple als Teil der Inszenierung zum Gegenspieler von Microsoft.

Steve Jobs beherrscht mediale Inszenierungen absto├čend gut, "Click, Boom, Amazing!". Eigentlich ist Apple eine PR-Agentur mit angeschlossenem Merchandising. Dabei pr├Ągt Apple das Post-PC-Zeitalter wie keine andere Firma, spielt aber unfair und dekretiert digitaldiktatorisch die Deal-Regeln. Bei der Vorstellung des iPad2 verglich Steve Jobs seinen App-Store (65.000 iPad-Programme) mit dem Markt von Googles offenem Konkurrenzsystem Honeycomb (100 Programme). Dass Honeycomb nur Wochen zuvor gestartet war, das iPad dagegen fast ein Jahr vorher, verschwieg er. Ein Vater, der stolz seinen f├╝nfzehnj├Ąhrigen Sohn vorzeigt, weil der ein Neugeborenes verm├Âbeln kann? Noch unanst├Ąndiger war das falsche Zitat einer Samsung-Managerin. Jobs zitierte sie mit den Worten, die Verk├Ąufe des Samsung-Tablets seien "quite small", also recht klein, gewesen. Ihre tats├Ąchlichen Worte - wie Samsung l├Ąngst klargestellt und mit einer Tonaufzeichnung belegt hatte - waren "quite smooth": recht geschmeidig.

Nicht nur gegen├╝ber Konkurrenten erweist sich Apple als boshaft und autorit├Ąr: Als das Unternehmen einem gro├čen deutschen Verlag die Vertr├Ąge f├╝r B├╝cher im App-Format pr├Ąsentierte, fand sich darin allen Ernstes eine Liste nicht erlaubter Worte wie etwa "Fuck". Und das ist nur die inhaltliche Dimension, also Zensur. Apples Walled Garden, das geschlossene, digitale Reich von Steve Jobs, ist eine Art DDR der Technologie, das f├╝r echte und vermeintliche Sicherheit einen entscheidenden Teil der Freiheit aufgibt. In einem ver├Âffentlichten Mailwechsel mit einem Blogger verteidigt Steve Jobs sein geschlossenes System mit den Worten, Freiheit sei die "Freiheit von Pornografie". Das mag ein Wortspiel gewesen sein, aber ironischerweise ist in Orwells "1984" exakt diese Umdeutung des Begriffs Freiheit, Newspeak, ein Instrument der Unterdr├╝ckung.

Apple ist ein Unternehmen, das mit Steve Jobs' genialer Vision von einer einfachen, sicheren und sch├Ânen Digitalwelt gro├č geworden ist. Apple hat ├Ąrgerlich gute, in vielen Bereichen die besten und die am besten vermarkteten Produkte - vor allem, was die Benutzbarkeit der Software angeht. Leider negiert das Unternehmen die politische Verantwortung, die sich aus diesem K├Ânnen und dieser Macht ergibt. Die Firma Apple tut, als w├╝rden sie weder soziale Umst├Ąnde noch die Geschicke ganzer Branchen wirklich etwas angehen, solange es nicht um das eigene Ansehen geht.

Diese unendliche Arroganz wird irgendwann auf Apple zur├╝ckfallen. Es kann einfach nicht sein, dass Steve Jobs st├Ąndig Verachtung in alle Richtungen verbreitet und das folgenlos bleibt. Auch daf├╝r gibt es Anzeichen: Mit Ping hat Apple ein Social Network gestartet, das weder Social noch Network ist, Ping ist so sozial wie Isolationshaft. In seinem Kontrollwahn war Apple allein nicht in der Lage, ein funktionierendes soziales Netzwerk aufzubauen - bezeichnend, denn Kontrollverlust ist eine Grundeigenschaft der digitalen Vernetzung. Als L├Âsung lag nahe, Ping mit Facebook zu verbinden. Nach intensiven Verhandlungen musste Apple aber aufgeben, angeblich wegen "unzumutbarer Bedingungen". Mark Zuckerberg hatte Steve Jobs von der eigenen, bitteren Medizin kosten lassen, mit einer ├╝bergro├čen Markt- und politischen Macht verhandeln zu m├╝ssen, mit der programmierten Plattform Facebook, die ihren Teil der digitalen Welt so sehr beherrscht wie Jobs den seinen.

Software pr├Ągt die Gesellschaft, das Programmierte ist politisch - aber was folgt daraus? Ein Konzern wie Apple sollte sich in seiner Software-Entwicklung st├Ąrker als bisher nach gesellschaftlichen Anforderungen richten m├╝ssen und nicht nur nach eigenen Vorstellungen, weil Apple eine gesellschaftliche Wirkung hat. Die Politik muss das oxymoronhaft anmutende Kunstst├╝ck schaffen, durch Regulierung Offenheit und Freiheit in der digitalen Gesellschaft zu erzwingen und zu erhalten. Zwangsoffenheit, das mag sich so verquer anh├Âren wie Friedenstruppen oder Frauenquote. Aber sie ist ├Ąrgerlicherweise ebenso notwendig.

Anmerkung: Dieser Artikel wurde auf einem Apple-Computer geschrieben und mit Hilfe eines Apple-iPhone versendet. Teufel Bequemlichkeit.

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Und das natuerlich:

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Auch ein Zitat des Gr├╝nders Steve Jobs von 1994 offenbart gesellschaftspolitische Untert├Âne: "Ungl├╝cklicherweise rebellieren die Leute nicht gegen Microsoft" - das war die Klage des beleidigten Rebellenf├╝hrers.


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Ich w├╝rde dem Lobo nicht so viel vertrauen. Apples Marktmacht kommt von deren Kunden und nicht von Apple selbst. Kennzeichnet ist, dass die Kunden die Zw├Ąnge von Apple tolerieren und damit zu stimmen, bewusst wohlgemerkt. Nach ├Âkonomischen Prinzipien: Richte dich nach deinen Kunden. Ein Unternehmen das dies nicht tut ist nicht wettbewerbsf├Ąhig bzw. bevormundet seine Kunden.

Apple tut dies genau genommen nicht und so lange Alternativen verf├╝gbar sind ist das auch ziemlich belanglos. Herr Lobo schl├Ągt sich immer auf eine kontroverse Seite. Diese Woche scheinen es die Apple Hasser zu sein.

Ach ja, und nochwas bez├╝glich politischen Einflusses: Alles was eine Gesellschaft beeinflussen kann ist politisch, denn Politik ist einfach nur eine Abstraktion einer Gesellschaft, in der nur die "gr├Â├čeren" Anteile die Richtung vorgeben werden. Das zwingt allerdings ein Unternehmen noch lange nicht zu "offenen" Aktionen zu ihren Konkurrenten und dar├╝ber bin ich auch froh, weil wenn es so w├Ąre, dann h├Ątten die Planwirtschaft. Dann haben wir eine "DDR der Technologie". Demokratie hei├čt immerhin nur, dass jeder einen freien Willen haben darf, aber nicht das jeder Wille umgesetzt oder entsprechend danach gehandelt werden muss. Eine Gesellschaftsform, die nach diesem Prinzip aufgebaut ist nennt man Kommunismus. Aber wie gesagt ... der Herr Lobo halt. rolleyes.gif


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